UPPS .... Alltägliches schmunzelnd betrachtet..

Des Kassenbon-Wahnsinns fette Beute

© Paul van Hoff 2020

 

Während ich diese Zeilen schreibe, ist das neue Jahrzehnt, von vielen als die „neuen Goldenen 20ger“ bezeichnet und herbei gesehnt, noch nicht einmal volle 3 Tage alt...genauer gesagt: Wir schreiben Sternzeit 2020-03-01-1800. Ok, ich bin wieder bei Ihnen. Aber was ich gestern und heute erlebt habe, ließ mich wahrlich glauben, dass ich auf einem anderen Planeten bin.

Um genau zu sein war ich scheinbar auf dem Planeten Papyrus, welcher in einer fernen Galaxi liegt, die nie ein Mensch zuvor gesehen hat. Auf diesem Planeten bekamen die Menschen, selbst wenn sie nur ein oder zwei Brötchen, nur eine Zeitung für wenige Einheiten ihrer Währung gekauft hatten, ein Stück Papyrus in die Hand gedrückt. 

Sie bekamen es vom jeweiligen Verkäufer, weil ein uneinsichtiger Hirte der Schafe des Planeten Papyrus es so wollte. Er wollte es, damit er nicht mehr in dem Glauben leben musste, von seinen Schafen ob deren zu zahlender Steuerschulden beschissen zu werden drohte.

Bevor nun ein falscher Verdacht aufkommt muss ich Ihnen sagen, dass ich beim Schreiben dieser Zeilen kein Gras geraucht und auch sonst keinerlei Drogen zu mir genommen habe...das könnte man mir ja auch durch einen entsprechenden Kaufbeleg im Zweifelsfall nachweisen.

Ich war in den ersten beiden Werktagen des Jahres 2020 bei einem Bäcker, einer Tankstelle und beim Friseur. Und jedesmal lehnte ich aus Prinzip die Entgegennahme des angebotenen Kassenbons ab. Natürlich bin ich damit böse und gemein. Denn ich lade damit einen Teil meines Mülls beim Bäcker, an der Tanke und beim Friseur ab. Ich lasse diese Menschen mit meinem Müll allein. Denn es ist MÜLL und kein wieder verwertbares Altpapier. Die heutigen Kassenbons sind bekanntlich auf Thermopapier gedruckt und gehören daher NICHT ins Altpapier, sondern in den Restmüll, welcher der Verbrennung zugeführt wird. 

Aber des Kassenbon-Wahnsinns fette Beute hatte die letzten Tage auch was Gutes. Nämlich im Bereich der zwischen-menschlichen Kommunikation. Denn sowohl beim besagten Bäcker, der Tankstelle aber auch beim Friseur ergaben sich – getreu dem Motto „Ach Ihr habt auch einen Papierkorb hinter der Kasse stehen?“ - jeweils kurze Gespräche.

 

Nun bin ich selbst seit vielen Jahren in einer glücklichen Partnerschaft mit einer tollen Frau liiert, welche ich – ganz neoklassisch – übers Internet kennen und lieben gelernt habe. Doch wer im Jahr des Herren 2020 einigermaßen auf Menschen zugehen kann, braucht dazu heute kein Internet mehr. Der kauft sich ein Brötchen, eine Zeitung oder tankt fünf Liter Benzin und kommt ob des Kassenbons-Wahnsinn direkt mit den Menschen ins Gespräch. 

Und so gesehen könnte dieser Kassenbon-Wahnsinn doch Methode haben, dem zu Folge dass die Menschen endlich wieder direkt miteinander ins Gespräch kommen.....die Geburtenrate ist ja eh seit Jahren viel zu niedrig.

 In diesem Sinne

 Frohe Ostern

Hämorrhoidensalbe im Bistro

© Paul van Hoff Nov. 2019


Gestatten Sie mir eine kurze Anmerkung zum folgenden Text. Die nun folgende Geschichte hat sich während unseres Kurzurlaubes Anfang November 2019 genau so ereignet, und ich schwöre beim Barte des Prophanen, dass ich nichts hinzugefügt und nichts weg gelassen habe.


Mittwoch-Mittag. Ich sitze mit meiner Frau in einem kleinen Bistro, und wir lassen uns unseren kleinen Snack während unserer Erkundungstour durch die kleine Stadt schmecken, in der wir für die nächsten Tage einen Kurzurlaub gebucht hatten. Jedenfalls hatten wir es vor...also dieses „schmecken lassen des kleinen Snacks.“ Endlich mal ein paar Tage weg von allem, was uns zuletzt irgendwie genervt hat. Getreu dem alten Spruch „Man kann keine neuen Insel finden, wenn man immer nur am Ufer steht“ sind wir fast 400 km gefahren um unseren Blick zu erweitern, neues Leben und unbekannte Welten zu erforschen.

Aber bei all diesem Forscherdrang bleibt einem ein Gefühl erhalten, welches den Menschen an sich seit Urzeiten antreibt. Nämlich Nahrung zu sich zu nehmen. An diesem jenem Mittwoch-Mittag prallte dieser alte Urtrieb mit einem neuzeitlichen Trieb aufeinander – nämlich dem, dass Menschen im 21. Jahrhundert das Bedürfnis haben, jeden, und ich meine wirklich JEDEN, anderen Menschen an ihrem eigenen Leben, und sei es auch noch so blöde oder desolat angelegt, teilhaben lassen zu müssen.

Wir sitzen also in dem kleinen Bistro mit zwei Tassen Kaffee und jeweils `ne Bratwurst mit Pommes vor der Nase. Nichts Besonderes, aber es stillt den Hunger. Ich stach mit der Gabel in die Wurst um dieselbe mit dem Messer anzuschneiden, als sich links neben unserem Tisch eine junge Frau setzte und es wirklich abging. Sie nahm, während sich sich stückchenweise ihre Pommes mit Majo in die Fressritze schob, ihr Smartphone in die Hand. In meinem naiven Glauben an das Gute im Menschen dachte ich, dass sie mal eben` ne Whatts-App-Nachricht schrieb. Machen wir ja auch, dachte ich noch, schnitt meine Bratwurst an und tauchte das Stückchen Wurst in den beiliegenden Senf, als plötzlich links neben uns ein lautstarker Orkan losbrach.

„Ey Alter, ich warte schon seit 5 Minuten auf Dich, wegen Dir musste ich jetzt Pommes bestellen weil ich am verhungern bin.“ Das Stückchen Wurst welches ich zur üblichen Bestimmung bereits in meinem Mund hatte fiel mir vor Schreck in die besagte Tasse Kaffee. Doch mit dem vorangegangenen Satz, also „Ey Alter“ usw. war es keineswegs getan. Während der gesamten Zeit in der meine Frau und ich unseren Hunger stillten, ging es in Konzertlautstärke weiter. Auch als wir unsere Teller geleert hatten, und meine Frau noch mal kurz im Porzellanzimmer verschwand, kehrte noch immer keine Ruhe ein.

Das war meine Stunde. Ein klingonisches Sprichwort sagt „Rache ist ein Gericht, das am besten kalt serviert wird.“ Ich hielt meine rechte Hand an mein rechtes Ohr und sprach – sehr laut – die folgenden Sätze. „Hallo Paul, Thomas hier.“ kurze Pause, „Ja ich war eben beim Proktologen, und er hat mir `ne neue Hämorrhoidensalbe verschrieben.“ Kurzer Blick nach links...das Gespräch dort kam ins Stocken..ich legte in Konzertlautstärke nach. „Ja, die neue Salbe soll besser wirken, dass es hinten nicht mehr so viel blutet und schmiert...wäre ja toll, dann bräuchte meine Mama nicht mehr jede Woche 10 Unterhosen von mir zu waschen.“

Die junge Frau schaute zur mir rüber während sie ihr Gespräch, wenn auch erheblich leiser, fort führte. Ok, dachte ich, es reicht noch nicht. „Wo ich bin? Du, ich sitze hier am Tresen der Fliegerbar.….hier geht richtig die Post ab. Paul, ich leg jetzt auf meine Frau kommt gerade rein,“ und nahm meine leere Hand vom Ohr. Meine Liebste schaute mich mit einer Mischung aus Bewunderung und Entsetzen an. Bei genauerer Betrachtung überwog aber doch das Letztere. Die anderen Gäste des Bistros konnten sich jedoch allesammt ein Schmuzeln nicht verkneifen.

Aus den Augenwinkeln sah ich, dass die junge Frau ihr Handy in der Tasche verstaute. Ich drehte mich zu ihr hin. „Tja, so ist es halt wenn man den Leuten ins Essen quatsch. Ist doch toll, wenn man alle Welt an seinen Hämorrhoiden teilhaben lässt, oder?“ Sie blickte mich versteinert an, und wird wohl später erst mal nach Hämorrhoidensalbe gegoogelt haben.

Als der Chef des Hauses zum Kassieren an unseren Tisch kam, meinte er „Ich werde mir wohl doch mal ein Verbotsschild für Handy´s besorgen.“

Gute Idee…..


 

        SL-Süd-Online                    
                                   Online-Zeitung für Kropp-Stapelholm und Umgebung