Erfde

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 Bundesgesundheitsminister Jens Spahn zu

Besuch in der Stapelholm-Halle in Erfde

 (Artikel 04.2019 vorherige Website)

 

Zum Thema "Ärztliche Versorgung im Ländlichen Raum mit Gesundheitsminister Jens Spahn" lud der CDU Bezirksverband Stapelholm am Freitag, den 12. April in die Stapelholm-Halle in Erfde.

Über 300 Interessierte, Vertreter von Ärzten, Apothekern und Ärztekammer und zahlreiche Medienvertreter folgten dieser Einladung.


In seiner Begrüßungsrede wies Erfdes Bürgermeister Thomas Klömmer auf den "ärztlichen Nachwuchsmangel speziell auf dem Lande" hin. 30 Prozent aller vorhandenen Ärzte in Schleswig-Holstein gehen in absehbarer Zeit in den Ruhestand. In Erfde und Stapel sind es gleich alle drei noch praktizierende Hausärzte, die innerhalb der nächsten fünf Jahre ihre Praxis aus Altersgründen aufgeben. Nachwuchs ist aber noch nicht in Sicht, denn sehr oft wird jungen Studenten das Arztleben auf dem Lande schlecht geredet. Außerdem scheuen die jungen angehenden Ärzte den finanziellen Aufwand, den sie meist bei einer Praxisübernahme in Kauf nehmen müssen. Aus diesem Grunde sucht Bürgermeister Klömmer bereits nach einer Lösung um die ärztliche Versorgung in Erfde auch weiterhin aufrecht zu erhalten.

Bundesminister Jens Spahn teilte seinen Vortrag in drei Teilen auf. In seinem ersten Teil ging es ihm in erster Linie um bessere Debatten bei Bund und Länder. Nur dadurch sei es möglich wieder Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen. Seiner Meinung nach kann man nur Kompromisse schaffen, wenn in einer Debatte auch wirklich der Wille dafür vorhanden sei.

In diesem Zusammenhang verwies er auf das Thema "Organspende". Bei 10.000 Kranken, die auf ein Organ warten, und immer weniger Spender würde eine Werbekampagne nicht ausreichen, so Spahn. Da muss konsequent gehandelt werden, auch, wenn man es damit nicht allen recht macht.

Genauso sei es im Bereich der Impfung. Es könne nicht sein, dass zum Beispiel die Masernausrottung ausgerechnet an Europa, und hier ganz besonders an Deutschland und Frankreich, scheitert. Auch da muss nach Lösungen gesucht werden. Und über Lösungen muss man mit der Absicht auf einen Kompromiss ernsthafte Debatten führen. Das gelte auch für den Bereich des Ärztenachwuchses auf dem Lande.

Im zweiten Teil seiner Rede sprach er über Entscheidungen. Pflegekräfte für Krankenhaus und Pflegeheimen müssten erhöht werden. Der Anfang sei bereits gemacht. Spahn sagte dazu: "Trotzdem höre ich immer nur: Das, was ihr macht, reicht nicht. Aber alle sollten daran denken: Es ist nur ein Anfang. Irgendwie müssen wir ja anfangen. Und erst wenn der Anfang gemacht ist, können wir auch weitermachen. Wir müssen schrittweise Vertrauen aufbauen, erst dann können wir wirklich was erreichen."

Entscheidungen seien auch für die ärztliche Versorgung im ländlichen Bereich wichtig. Für junge angehende Mediziner sei das Landleben oft nicht attraktiv genug. Verbunden mit Hausbesuchen und vielen Überstunden ziehen sie es lieber vor, als angestellte Ärzte zu arbeiten. Das bedeutet: Feste Arbeitszeiten und sicheres Gehalt. Für die Gemeinden wäre das ein Ansporn, die Lebensqualität und Infrastruktur vor Ort zu verbessern zum Beispiel durch Breitbandausbau und guten Einkaufsmöglichkeiten.

Spahn sprach von einer "Überlegung", eine gewisse Anzahl an Studienplätzen angehenden Ärzten nur dann zur Verfügung zu stellen, wenn sie sich bereit erklären würden, eine Weile auf dem Lande zu arbeiten. Erst dann könnten sie die wirkliche Bedeutung eines "ländlichen Arztes" erkennen und schätzen lernen. Er wies jedoch darauf hin, dass diese Entscheidungen Ländersache seien. Er würde sich aber dafür einsetzen.

Seinen dritten Redeteil betitelte Spahn mit der Überschrift "Digitalisierung". Die Digitalisierung sei seiner Meinung nach unvermeidbar. Egal, ob es um die Übermittlung von Krankenakten oder um Onlinesprechstunden gehe. Ein gutes Netz sei eine Teillösung im Bereich "medizinische Versorgung". In Zukunft wäre "Telemedizin" eine Unterstützung der praktizierenden Ärzte.

Bei den anschließenden Wortmeldungen gab es gerade dazu Kritik von den anwesenden Ärzten. Viele der Patienten seien im gehobenen Alter und kaum in der Lage, mit den Begriffen "Telemedizin" oder "Onlinesprechstunde" etwas anzufangen, geschweige denn es zu nutzen. Die Art von Digitalisierung sei keine Unterstützung, sondern zur Zeit nur zusätzliche Belastung. So würde das Einlesen einer Versichertenkarte nicht mehr 6 sondern 60 Sekunden dauern. Zeit, die nicht vorhanden sei. Spahn verwies dabei auf die Anlaufphase.










Ein großer Teil der Wortmeldungen der Anwesenden betraf das Thema "kommunales Ärztezentrum". Die Gemeinde würde dabei Ärzte als Angestellte beschäftigen. Allerdings müssten sich dafür die Orte höher verschulden, als es die kommunalen Regelungen erlauben würden. Darauf verwies Bürgermeister Klömmer. Auch das wäre eine landesrechtliche Entscheidung, erklärte Gesundheitsminister Spahn. Bei seinem Gespräch über Gesundheitsversorgung auf dem Lande im nächsten Monat mit dem Schleswig-Holsteinischen Landeskabinett werde er auch dieses Thema gerne aufgreifen.

Das beste Beispiel für ein solches "kommunales Ärztezentrum"  gibt es in Büsum. Dort schreibt es nach bereits vier Jahren schwarze Zahlen. Ein gutes Beispiel dafür, wie es auch funktionieren kann.

Vielleicht eine Möglichkeit, die auch in Erfde eine Zukunft hat.

Irgendwie muss man ja mal anfangen ...

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